Berlin, 30. Mai 2026 – Am letzten Donnerstag fand im Kulturhaus Karlshorst in Berlin ein fesselndes Konzert der Schülerinnen und Schüler der Alexej-Hekimian-Musikschule Jerewan statt. Unter dem Titel „Ruf der Seele“ strömten zahlreiche Besucher in den festlich geschmückten Saal, um die außergewöhnlichen Darbietungen junger Talente zu erleben.
Die Veranstaltung wurde von Mikayel Minasyan, dem ersten Vorsitzenden des AEAE e. V., eröffnet. In seiner Begrüßung übergab er das Wort an den Schirmherrn der Veranstaltung, Prof. Dr. Martin Pätzold, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Prof. Pätzold lobte die Bedeutung der deutsch-armenischen Kulturtage und ermutigte die Anwesenden, Armenien zu besuchen, um die kulturelle Vielfalt und Traditionen des Landes hautnah zu erleben.
Frau Monika Petrosyan, die Leiterin der Musikschule, sprach im Anschluss und bedankte sich herzlich bei den Veranstaltern und Schirmherren für die Unterstützung. Sie gab einen kurzen Überblick über die herausragenden Entwicklungen ihrer Musikschule und überreichte Dankesurkunden an die Schirmherren, darunter den Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Martin Schaefer, stellvertretend an Prof. Pätzold.
Das Konzert wurde offiziell mit einem beeindruckenden Auftritt von sechs talentierten Schülerinnen eröffnet, die unter der künstlerischen Leitung von Frau Anush Asatryan-Petrosyan auf Kanun und Santur spielten, begleitet von der international ausgezeichneten Pianistin Marine Mkrtchyan. Die Darbietung berührte die Herzen der Zuhörer und stellte das hohe Niveau der musikalischen Ausbildung an der Musikschule unter Beweis.
Während der Pause konnten die Gäste die köstlichen Speisen der Eltern der Armenischen Sonntagschule Berlin genießen und verkosteten ausgezeichnete armenische Weine. Im zweiten Teil des Konzerts beeindruckten die jungen Musikerinnen mit Solo- und Duettaufführungen, die die Vielfalt und Tiefe der armenischen Musikkultur widerspiegelten.
Dieses außergewöhnliche Konzert bildete den krönenden Abschluss der deutsch-armenischen Kulturtage 2026 in Berlin, die mit der finanziellen Unterstützung des Amtes für Kultur- und Weiterbildung des Bezirksamtes Lichtenberg ermöglicht wurden. Das Kulturhaus Karlshorst stellte großzügig seine Räumlichkeiten zur Verfügung und trug somit zur Förderung des interkulturellen Austauschs bei.
Die Veranstaltung verdeutlichte, wie tief die Wurzeln der armenischen Musik im kulturellen Erbe verwurzelt sind und wie wichtig es ist, diese Traditionen lebendig zu halten. An diesem Abend spürte das Publikum nicht nur die Klänge der Musik, sondern auch die Seele und den Geist einer jahrhundertealten Kultur, die mit Leidenschaft und Hingabe weitergetragen wird.
Mehr über die armenische geistliche Musik und über das Musikinstrument Kanun
Dies ist der Zweig der Kunst und Musik, in dem das Wort und die Verehrung im Gesang dominieren. Sie gehört zu den vokal-instrumentalen Gattungen, deren bedeutendster Vertreter die Kirchenmusik ist. Die Hymnen (Sharakan) werden nach kirchlichen Riten eingeteilt. Geistliche Lieder waren im Volkskunstschaffen vieler Völker der Welt verbreitet – etwa die italienischen Laudine, die spanischen Cantigas, die Lieder der tschechischen Hussiten, die russischen und ukrainischen Kanty, sowie die afrikanischen Spirituals.
In Armenien wurde diese Kunst von Nerses Shnorhali mit seinen wunderbaren geistlichen Liedern weiterentwickelt (Havun-havun, Havik, Sird im sasani u.a.). Seit der frühen Renaissance bildeten die Kantate, Oratorien, Requien, Choräle und andere Werke wichtige Gattungen der geistlichen Musik. Sie dienten der Darstellung menschlicher Gefühle und der Reflexion über Leben, Tod und Ewigkeit. Solche Werke schufen Johann Sebastian Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Berlioz, Brahms, Liszt, Saint-Saëns und viele andere.
In der armenischen Musik sind wir stolz auf Makar Ekmalyan und Komitas, den „Mesrop Mashtots des armenischen Liedes“.
Um die geistliche Kunst richtig zu lehren, entstanden im Laufe der Geschichte zahlreiche Ausbildungsstätten:
In Armenien gab es bereits im heidnischen Zeitalter (1. Jahrtausend v. Chr.) heilige Schulen. Nach der Christianisierung entstanden im 11.–12. Jh. Kloster- und Pfarrschulen. Vom 11. bis 15. Jh. wurden dort hochrangige Geistliche und Theologen ausgebildet, darunter in den Akademien von Syunik, Ani, Sanahin, Haghpat, Goshavank, Gladzor und Tatev.
Im 18. Jh. entstanden Schulen in Neu-Dschuga, Achalziche und Neunachitschewan; 1874 wurde das Geworgian- Geistliche Seminar von Etschmiadsin gegründet, das bis heute führende Geistliche hervorbringt.
Geistliche Musik ist eine große Inspiration im Leben jedes Musikers. Jeder drückt seine Empfindungen durch den Klang seines Instruments aus.
Heute wollen wir eine Verbindung zwischen dem Geistlichen und dem Kanun-Instrument herstellen – denn diese Verbindung reicht bis ins vorchristliche Armenien zurück.
Wie asyrische, griechische und später auch armenische Historiker berichten, waren schon in der vorchristlichen Zeit die Vorformen des Kanuns in Armenien weit verbreitet – sowohl im höfischen als auch im Volksleben, bei religiösen, festlichen und Hochzeitszeremonien.
Nach der Einführung des Christentums als Staatsreligion fanden viele Elemente der alten heidnischen Musik ihren Platz im kirchlichen Gesang. Sie wurden nicht nur vokal, sondern auch mit Instrumentalbegleitung – insbesondere durch den Vorläufer des Kanuns – aufgeführt. Dieses Instrument entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte weiter, beeinflusst durch die katholische Kirche, und wurde später zur Cembalo- und schließlich zur Orgelkultur übergeleitet.
Der Kanun trug in alten Zeiten verschiedene Namen: „Psalmharfe“, „Knar“, „Dasnagi“. Er ist in den Miniaturen alter armenischer Evangelien abgebildet. Bereits 1416 beschrieb der Musiker, Philosoph und Kalenderforscher Hakob Khrimetsi im Kloster Metsop ein 70-saitiges Instrument namens „Kanun“ (ursprünglich- „Ghanun“) und bezeichnete es als den „Urvater der volkstümlichen Saiteninstrumente“.
Der Kanun wurde über die Jahrhunderte weiterentwickelt und fand in Armenien wie auch weltweit große Beliebtheit – dank herausragender Künstler wie Zaven Ter-Menjyan, Arshavir Ferjulian, Khachatur Avetisyan und schließlich Angela Atabekyan, der Gründerin der modernen Kanun-Schule und Volkskünstlerin der Republik Armenien. Sie machte den Kanun auch zu einem Instrument der Frauen.
Ist das nicht eine geistige Verbindung? Ist das nicht ein göttliches Geschenk?
Die Antwort darauf überlassen wir sechs unseren wunderbaren Schülerinnen und eine Klavierbegleiterin– das Publikum wird ihre Aufführungen beurteilen.
Unsere Schützlinge sind:
Irena Shahbaryan - Kanun,
Astghik Avdoyan - Kanun,
Nelly Torosyan - Kanun, Santur,
Elen Antonyan - Kanun, Santur,
Luiza Melkumyan - Kanun, Santur,
Victoria Madantsyan - Kanun,
Irina Hovhannisyan - Kanun