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„Ruf der Seele“ – ein Konzert der Schülerinnen der Alexej-Hekimian-Musikschule aus Jerewan. Mit Saiteninstrumenten widmen sie sich der geistlichen Musik.

03-03-2026
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Samstag, den 30. Mai 2026, Uhrzeit: Einlass um 18.30 Uhr, Beginn um 19.00 Uhr
Ort: Konzertsaal, Aufgang A, im Kulturhaus Karlshorst, Treskowallee 112, 10318 Berlin
Service: Getränke und armenische Spezialitäten gegen Entgelt im Angebot

Eintritt: 20,00 EUR, ermäßigt 3,00 EUR (nur mit Berechtigungsnachweis)

 

Dies ist der Zweig der Kunst und Musik, in dem das Wort und die Verehrung im Gesang dominieren. Sie gehört zu den vokal-instrumentalen Gattungen, deren bedeutendster Vertreter die Kirchenmusik ist. Die Hymnen (Sharakan) werden nach kirchlichen Riten eingeteilt. Geistliche Lieder waren im Volkskunstschaffen vieler Völker der Welt verbreitet – etwa die italienischen Laudine, die spanischen Cantigas, die Lieder der tschechischen Hussiten, die russischen und ukrainischen Kanty, sowie die afrikanischen Spirituals.

 

In Armenien wurde diese Kunst von Nerses Shnorhali mit seinen wunderbaren geistlichen Liedern weiterentwickelt (Havun-havun, Havik, Sird im sasani u.a.). Seit der frühen Renaissance bildeten die Kantate, Oratorien, Requien, Choräle und andere Werke wichtige Gattungen der geistlichen Musik. Sie dienten der Darstellung menschlicher Gefühle und der Reflexion über Leben, Tod und Ewigkeit. Solche Werke schufen Johann Sebastian Bach, Händel, Haydn, Mozart, Beethoven, Berlioz, Brahms, Liszt, Saint-Saëns und viele andere.

In der armenischen Musik sind wir stolz auf Makar Ekmalyan und Komitas, den „Mesrop Mashtots des armenischen Liedes“.

 

Geistliche Ausbildungszentren

Um die geistliche Kunst richtig zu lehren, entstanden im Laufe der Geschichte zahlreiche Ausbildungsstätten:

  1. Die Tempel des Alten Ägypten und Babyloniens, wo Priester ausgebildet wurden.
  2. Die buddhistischen Klöster Indiens.
  3. Rom, Ägypten und Jerusalem – nach der Entstehung des Christentums.
  4. In Russland wurde 1030 auf Befehl von Jaroslaw dem Weisen in Nowgorod eine orthodoxe Lehranstalt gegründet.
  5. In Kiew vereinigten sich im 9. Jh. die theologische Schule und die geistliche Akademie.

In Armenien gab es bereits im heidnischen Zeitalter (1. Jahrtausend v. Chr.) heilige Schulen. Nach der Christianisierung entstanden im 11.–12. Jh. Kloster- und Pfarrschulen. Vom 11. bis 15. Jh. wurden dort hochrangige Geistliche und Theologen ausgebildet, darunter in den Akademien von Syunik, Ani, Sanahin, Haghpat, Goshavank, Gladzor und Tatev.
Im 18. Jh. entstanden Schulen in Neu-Dschuga, Achalziche und Neunachitschewan; 1874 wurde das Geworgian- Geistliche Seminar von Etschmiadsin gegründet, das bis heute führende Geistliche hervorbringt.

 

Die geistliche Musik und der Kanun

Geistliche Musik ist eine große Inspiration im Leben jedes Musikers. Jeder drückt seine Empfindungen durch den Klang seines Instruments aus.
Heute wollen wir eine Verbindung zwischen dem Geistlichen und dem Kanun-Instrument herstellen – denn diese Verbindung reicht bis ins vorchristliche Armenien zurück.

Wie asyrische, griechische und später auch armenische Historiker berichten, waren schon in der vorchristlichen Zeit die Vorformen des Kanuns in Armenien weit verbreitet – sowohl im höfischen als auch im Volksleben, bei religiösen, festlichen und Hochzeitszeremonien.

Nach der Einführung des Christentums als Staatsreligion fanden viele Elemente der alten heidnischen Musik ihren Platz im kirchlichen Gesang. Sie wurden nicht nur vokal, sondern auch mit Instrumentalbegleitung – insbesondere durch den Vorläufer des Kanuns – aufgeführt. Dieses Instrument entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte weiter, beeinflusst durch die katholische Kirche, und wurde später zur Cembalo- und schließlich zur Orgelkultur übergeleitet.

Der Kanun trug in alten Zeiten verschiedene Namen: „Psalmharfe“, „Knar“, „Dasnagi“. Er ist in den Miniaturen alter armenischer Evangelien abgebildet. Bereits 1416 beschrieb der Musiker, Philosoph und Kalenderforscher Hakob Khrimetsi im Kloster Metsop ein 70-saitiges Instrument namens „Kanun“ (ursprünglich- „Ghanun“) und bezeichnete es als den „Urvater der volkstümlichen Saiteninstrumente“.

Der Kanun wurde über die Jahrhunderte weiterentwickelt und fand in Armenien wie auch weltweit große Beliebtheit – dank herausragender Künstler wie Zaven Ter-Menjyan, Arshavir Ferjulian, Khachatur Avetisyan und schließlich Angela Atabekyan, der Gründerin der modernen Kanun-Schule und Volkskünstlerin der Republik Armenien. Sie machte den Kanun auch zu einem Instrument der Frauen.

Ist das nicht eine geistige Verbindung? Ist das nicht ein göttliches Geschenk?
Die Antwort darauf überlassen wir sechs unseren wunderbaren Schülerinnen und eine Klavierbegleiterin– das Publikum wird ihre Aufführungen beurteilen.

Unsere Schützlinge sind:

Irena Shahbaryan - Kanun,
Astghik Avdoyan - Kanun,
Nelly Torosyan - Kanun, Santur,
Elen Antonyan - Kanun, Santur,
Luiza Melkumyan - Kanun, Santur,
Victoria Madantsyan - Kanun,
Irina Hovhannisyan - Kanun

Mehr über ihre Darbietung – hier: https://youtu.be/UAAfSNNC1L0 , https://youtu.be/nlKTp-mPalE

 

Solistische Darbietungen

  1. Nerses Shnorhali – Havun-havun
  2. Sayat-Nova – Eshkhemet
  3. Avetisyan – Anurjner („Träume“)
  4. Nerses Shnorhali – Havik
  5. Mandakuni – Presto
  6. Avetisyan – Husher („Erinnerungen“)
  7. Mirzoyan – Arag par („Schneller Tanz“)
  8. Komitas – Krunk („Kranich“)
  9. Valesyan – Ekspromt
  10. Volkslied – Otar amayi („Fremdes Ödland“)
  11. Brahms – Ungarischer Tanz Nr. 5
  12. Komitas – Antuni
  13. Avetisyan – Zartonk („Erwachen“)
  14. Komitas – Tsirani tsar („Aprikosenbaum“)
  15. Valesyan – Fantasia
  16. Beglaryan – Concertino

Ensemble-Darbietungen

  1. Ekmalyan – Surp Orhnutyun („Heiliger Segen“)
  2. Gevorgyan – Jerewan
  3. Komitas – Habrdan
  4. Armenischer Volkstanz – Shalakho
  5. Mortazavi – Potoryk („Sturm“)
  6. Valesyan – Kanch par („Ruftanz“)
  7. Manasyan – Tonakan („Festlich“)
  8. Avetisyan – Tanz der Urmutsiner
  9. Avetisyan – Kakachner („Mohnblumen“)
  10. Khachaturyan – Lezginka
  11. Valesyan – Scherzo
  12. Ekmalyan – Amen hay surb („Amen, heiliger Vater“)
  13. Mavisakalyan – Volksweise